Ein defektes Solarmodul meldet sich nicht. Es bringt einfach weniger Ertrag – so wenig weniger, dass es in der Monatsabrechnung leicht untergeht. Erst wenn mehrere Module betroffen sind oder ein ganzer String ausfällt, wird die Abweichung im Monitoring sichtbar. Bis dahin sind oft Monate vergangen.
Genau diese Lücke schließt die thermografische Inspektion. Sie zeigt Defekte auf Modul- und teilweise auf Zellebene, lange bevor sie den Ertrag spürbar drücken. Und sie tut das im laufenden Betrieb, ohne dass die Anlage abgeschaltet werden muss.


Ein Solarmodul wandelt Sonnenlicht in Strom um. Was nicht umgewandelt wird, wird zu Wärme. Wenn eine Zelle beschädigt ist, eine Verbindung schlecht kontaktiert oder eine Bypass-Diode defekt, verändert sich das Verhältnis: Die betroffene Stelle wird wärmer als ihre Umgebung.
Diese Temperaturunterschiede sind mit bloßem Auge nicht erkennbar, im Wärmebild aber deutlich. Und weil jede Fehlerart ein charakteristisches Muster erzeugt, lässt sich aus dem Thermogramm nicht nur ablesen, dass etwas nicht stimmt, sondern meist auch was nicht stimmt.
Hotspots. Einzelne überhitzte Zellen, meist ausgelöst durch Verschattung, Verschmutzung, Zellrisse oder Materialfehler. Neben dem Ertragsverlust sind Hotspots vor allem ein Sicherheitsthema: Bei starker lokaler Erwärmung kann es im Extremfall zu Schäden an der Rückseitenfolie kommen.
Zellrisse. Feine Risse entstehen durch Transport, unsachgemäße Montage, Hagel oder mechanische Belastung. Sie sind optisch oft unsichtbar, zeichnen sich thermisch aber ab.
Defekte Bypass-Dioden. Fällt eine Bypass-Diode aus, erwärmt sich ein ganzer Modulabschnitt – im Thermogramm als deutlich abgegrenzter Streifen erkennbar.
Stringausfälle. Eine ganze Modulreihe zeigt eine abweichende Temperatur. Ursache ist meist ein Kontakt-, Kabel- oder Sicherungsproblem. Das ist der Fall mit dem größten unmittelbaren Ertragsverlust.
PID (potenzialinduzierte Degradation). Ein schleichender Leistungsverlust, der sich typischerweise über einzelne Module hinweg mit einem charakteristischen Muster zeigt.
Anschlussdosen und Verbindungen. Erhöhte Temperaturen an Anschlussdosen deuten auf Kontaktprobleme hin. Das ist ebenfalls sicherheitsrelevant.
Verschmutzung und Bewuchs. Nicht immer ein Defekt, aber eine häufige und leicht behebbare Ertragsbremse, die bei der Befliegung mit auffällt.


Eine IR-Handkamera funktioniert grundsätzlich auch. Bei kleinen Dachanlagen ist sie manchmal die sinnvollere Wahl. Ab einer gewissen Größe kippt das Verhältnis jedoch deutlich:
Geschwindigkeit. Eine Freiflächenanlage lässt sich per Drohne in einem Bruchteil der Zeit vollständig erfassen. Vom Boden aus ist eine flächendeckende Aufnahme bei großen Anlagen praktisch nicht leistbar.
Perspektive. Aus der Luft wird jedes Modul in vergleichbarem Winkel und Abstand aufgenommen. Vom Boden aus sind Module in den hinteren Reihen kaum erfassbar, und flache Aufnahmewinkel verfälschen die Messung.
Zugänglichkeit. Dachanlagen müssen nicht betreten werden. Niemand steigt aufs Dach, niemand läuft zwischen Modulreihen umher.
Vergleichbarkeit. Die Flugroute kann gespeichert werden und bei der nächsten Inspektion wieder abgeflogen werden. Die Ergebnisse lassen sich direkt gegenüberstellen. Damit sieht man nicht nur den Zustand, sondern die Entwicklung.
Georeferenzierung. Mit RTK-Positionierung ist jeder Befund zentimetergenau verortet. Der Servicetechniker findet das betroffene Modul, statt es zu suchen.

Das ist der Punkt, an dem sich seriöse von unseriösen Anbietern trennen. Eine Thermografieaufnahme, die unter falschen Bedingungen entsteht, sieht aus wie eine richtige, kann aber wertlos sein.
Die einschlägige technische Spezifikation DIN IEC/TS 62446-3 (VDE V 0126-23-3) beschreibt Anforderungen an Durchführung und Dokumentation von Infrarotprüfungen an PV-Anlagen. Wir richten unsere Inspektionen daran aus und arbeiten nach einem fest definierten Prüfstandard. Die wesentlichen Rahmenbedingungen:
Praktisch bedeutet das: Der Termin richtet sich nach dem Wetter, nicht nach dem Kalender. Wir prüfen die Bedingungen vorab, messen vor Ort und verschieben, wenn die Werte nicht passen. Ein Anbieter, der zu jeder Jahres- und Tageszeit einen Termin zusagt, sollte Sie stutzig machen.


Turnusmäßig. Für gewerbliche Anlagen ist eine regelmäßige thermografische Prüfung fachlich etabliert. Verschiedene Regelwerke und Versicherungsbedingungen empfehlen oder verlangen wiederkehrende Prüfungen technischer Anlagen. Ein wiederkehrender Zyklus ist in der Praxis die Regel.
Vor Ablauf der Gewährleistung. Ein oft übersehener Punkt. Wer kurz vor Ende der Herstellergarantie prüfen lässt, kann Mängel noch geltend machen. Danach zahlt er selbst.
Bei Abnahme einer Neuanlage. Montageschäden und Transportschäden zeigen sich thermisch. Sie jetzt zu finden, ist ungleich einfacher als später zu klären, wer sie verursacht hat.
Bei auffälligem Monitoring. Wenn die Erträge nicht zu den Erwartungen passen, lokalisiert die Thermografie die Ursache.
Nach Unwetter. Hagel und Sturm verursachen Zellrisse, die optisch unauffällig bleiben. Für die Schadenmeldung an die Versicherung ist eine dokumentierte Aufnahme entscheidend.
Beim Kauf oder Verkauf einer Anlage. Der technische Zustand ist eine der wesentlichen Bewertungsgrößen. Eine Inspektion schafft auf beiden Seiten Klarheit.
1 – Vorgespräch Anlagengröße, Bauart (Dach oder Freifläche), Standort, Anlass. Bei Dachanlagen zusätzlich: Wie ist die Umgebung bebaut?
2 – Flugplanung und Genehmigungen Prüfung der geografischen Gebiete nach § 21h LuftVO, Klärung notwendiger Zustimmungen, Abstimmung mit dem Betriebsführer. Bei Anlagen in Wohngebieten oder in der Nähe von Bahnanlagen und Bundesfernstraßen ist Vorlauf einzuplanen.
3 – Wetterfenster abwarten Wir beobachten die Bedingungen und terminieren, wenn sie passen.
4 – Befliegung Systematische Erfassung der gesamten Modulfläche mit paralleler Aufnahme im Wärmebild und im sichtbaren Bereich. Vor und während der Messung wird die Einstrahlung dokumentiert.
Zeitaufwand: Eine Dachanlage auf einem Einfamilienhaus ist in 10 bis 20 Minuten erfasst, eine größere Gewerbeanlage in ein bis zwei Stunden, eine Freiflächenanlage je nach Größe an einem halben bis ganzen Tag.
5 – Auswertung Sichtung und Klassifikation der thermischen Auffälligkeiten, Zuordnung zu Fehlertypen, Verortung im Anlagenplan, Priorisierung nach Dringlichkeit.
Bei größeren Anlagen setzen wir dafür eine spezialisierte Auswertungsplattform für drohnenbasierte PV-Thermografie ein. Sie erkennt und klassifiziert Auffälligkeiten automatisiert und ordnet sie einzelnen Modulen im Anlagenplan zu.
6 – Report Sie erhalten einen PDF-Report mit Übersichtsplan, verorteten Befunden, Thermogramm und zugehöriger Realbildaufnahme je Auffälligkeit, Klassifikation und Handlungsempfehlung sowie den dokumentierten Messbedingungen.
Alle Daten werden DSGVO-konform auf EU-Servern gespeichert und per gesichertem Download-Link übermittelt.



Damit die Erwartung stimmt:
Sie ersetzt keine elektrische Prüfung. Kennlinienmessung, Isolationswiderstand und die Prüfung der elektrischen Anlage sind eigene Verfahren mit eigenen Anforderungen. Die Thermografie ergänzt sie, sie ersetzt sie aber nicht restlos.
Sie ersetzt keine Reparatur-Entscheidung durch den Fachbetrieb. Wir liefern den Befund und ordnen ihn ein. Ob ein Modul getauscht, eine Verbindung nachgezogen oder ein Wechselrichter geprüft werden muss, entscheidet letztendlich der ausführende Betrieb.
Wir arbeiten häufig direkt für Betriebsführer, Sachverständige und Installationsbetriebe, die unsere Befunde in ihre eigene Bewertung übernehmen.

Der Nutzen einer Inspektion lässt sich grob überschlagen. Nehmen Sie den Jahresertrag Ihrer Anlage und rechnen Sie aus, was ein Prozent davon wert ist. Ein einziger unentdeckter Stringausfall über eine Saison hinweg kostet in aller Regel ein Vielfaches der Inspektion.
Dazu kommen zwei Effekte, die schwerer zu beziffern, aber oft entscheidender sind: rechtzeitig geltend gemachte Garantieansprüche und ein dokumentierter Anlagenzustand gegenüber Versicherung, Bank oder Käufer.

Thermografie macht sichtbar, was das Monitoring erst mit Verzögerung und die Sichtprüfung gar nicht zeigt. Der entscheidende Faktor ist dabei nicht die Drohne, sondern die Sorgfalt: passende Bedingungen, geeignete Kameratechnik, normgerechte Durchführung und eine Auswertung, die Befunde einordnet statt nur zu markieren.
Wenn Sie eine Anlage in Berlin oder Brandenburg prüfen lassen möchten, klären wir vorab, welches Zeitfenster in Frage kommt und welcher Umfang für Ihre Anlagengröße sinnvoll ist.
Jetzt unverbindlich beraten lassen oder direkt anrufen: 030 – 235 92 57 70

Wolfram von Dobschütz ist Gründer und Inhaber von Capital Drones Berlin. Er fliegt seit 2015 Drohnen, seit 2021 professionell, und hat über 5.000 Flüge und mehr als 1.000 Flugstunden absolviert. Seine Schwerpunkte sind Thermografie, Bau- und Immobiliendokumentation sowie FPV-Aufnahmen in Berlin und Brandenburg. → Zum vollständigen Expertenprofil